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06.07.2019

Zum Tode des früheren Sozialsenators Jan Ehlers (1939 – 2019)

Er hat lange Jahre mit seiner Frau Renate und seinen Kindern in der Fibigerstraße in Langenhorn gelebt. Insofern war Jan Ehlers dem Distrikt Langenhorn-Nord sehr verbunden, seine Frau Renate hat jahrzehntelang dem Distriktsvorstand angehört.

Jan Ehlers wurde 1968 Mitglied des Ortsauschusses Fuhlsbüttel und wurde 1970 in die Bezirksversammlung Hamburg-Nord gewählt.

Nach einer Verwaltungslehre konnte er auf Empfehlung der ersten Jugendsenatorin in Hamburg, der legendären Paula Karpinski, ein Studium ohne Abitur an der Akademie, bzw. später Hochschule für Wirtschaft und Politik aufnehmen und studierte dort Soziologie und Volkswirtschaftslehre. Von 1972 bis 1974 war er persönlicher Referent des Wirtschafts- und Verkehrssenators Helmuth Kern, 1974 wurde er erstmals Abgeordneter der Hamburgischen Bürgerschaft. Er kämpfte couragiert gegen den sogenannten Radikalenerlass, erfolgreich auch gegen die geplanten Stadtautobahnen oder für den Ausstieg aus der Atomenergie. Er verstand sich als linker Sozialdemokrat und schaffte sich in der Hamburger SPD wahrlich nicht nur Freunde.

Ab 1978 war er über 10 Jahre lang der Präses der Arbeit- und Sozialbehörde. Als er sein Amt als Senator antrat, gab es im Alten- und Pflegebereich noch Zimmer mit 16 Betten – heute unvorstellbar, damals nichts Ungewöhnliches. Unter Jan Ehlers wurden schon bald über 60% zusätzliche Pflegekräfte eingestellt – politische Schritte, für die mühsam die finanziellen Mittel erstritten werden mussten.

Im Bereich der Jugendpolitik war sein prominentestes Reformprojekt die Beendigung der Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in geschlossenen Heimen, das er „Menschen statt Mauern“ nannte. Er setzte es gegen massiven Widerstand besonders auch der Hamburger Presse für seine Amtszeit und darüber hinaus durch. Es wurde später teilweise wieder zurückgenommen und durch eine modifizierte Unterbringung mit geschlossenen Anteilen zur Haftvermeidung ergänzt. Jan Ehlers hat sich damit nie anfreunden können. –

Seine Arbeitsfelder im Bereich Zweiter Arbeitsmarkt und bei der Bewältigung des Problems der Häuser in der Hafenstraße haben ihn ebenso stark beansprucht wie später seine Arbeit für eine Parlaments- und Verfassungsreform. Nachdem er 1988 einen Herzinfarkt erlitten hatte, schied er aus dem Senat aus, arbeitete aber als stellvertretender Fraktionsvorsitzender und als Vorsitzender des Haushaltsausschusses noch 6 Jahre lang in der Bürgerschaft weiter. Er selbst bezeichnete sich in dieser Phase als einen Hinterbänkler, Eingeweihte wussten aber, dass er einer der einflussreichsten Politiker im Rathaus geblieben war.

Ein ihm angetragenes Bundestagsmandat kam für ihn nicht in Frage. Er war Hamburger mit Leib und Seele, seinen Langenhorner Mitstreiterinnen und Mitstreitern bis zum Schluss verbunden.

Zu seiner Trauerfeier hatten sich neben seiner Familie viele seiner Weggenossen vor seinem Sarg versammelt und verneigten sich im Angedenken an einen erfolgreichen Politiker und einen liebenswerten Menschen.