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18.12.2018

Was wird aus dem Langenhorner Wohnhaus der Eheleute Helmut und Loki Schmidt im Neubergerweg?

In diesen Tagen wäre Helmut Schmidt 100 Jahre alt geworden. Aufsätze und Bücher erscheinen, Ausstellungen werden organisiert, Briefmarken und Gedenkmünzen kommen heraus, Gedenkveranstaltungen finden statt. Der Flughafen im benachbarten Fuhlsbüttel trägt seinen Namen ebenso wie ein Gymnasium in Wilhelmsburg und ein gerade eröffnetes Wohnheim für Studierende in der Hafen-City. Auch nach Loki Schmidt ist eine Schule in Othmarschen benannt worden ebenso wie der Botanische Garten, u.a.

Über das Wohnhaus im Neubergerweg 80, in das die Eheleute 1961 eingezogen waren, schrieb die Bildzeitung, es werde dort ein Museum entstehen. Ein Beispiel für leichtfertige und unseriöse Recherche dieses Blattes.

Richtig ist, dass die Schmidts in ihrem Testament verfügt haben, dass ihr Langenhorner Wohnhaus unverändert erhalten bleiben soll. Anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit im Jahre 1992 riefen sie eine Stiftung ins Leben, die „Helmut-und-Loki-Schmidt-Stiftung“. Diese Stiftung förderte wissenschaftliche Studien zu Themen, die eng mit dem Wirken der beiden Gründer verknüpft sind. Beispiele: Schmidt und Giscard d´Estaing, Brücken nach Osten, Loki Schmidt – Forscherin und Botschafterin für die Natur, Pragmatisches Handeln zu sittlichen Zwecken – Helmut Schmidt und die Philosophie.

Die Schmidts waren Sammler. 2.800 Ordner, eine umfangreiche Dossier-Sammlung, 25.000 Bücher und Fotoalben mussten irgendwo untergebracht werden. Im Reihenhaus war das bald nicht mehr möglich. Deshalb ließ Schmidt 2006 direkt in der Nachbarschaft einen Anbau errichten, das dringend nötige Archiv.

Seit 2017 existiert die „Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung“, eine Stiftung öffentlichen Rechts, die vom Staat eingerichtet wurde und finanziert wird. Sie hat ihren Sitz außer in Berlin (Pariser Platz 6) im Kontorhausviertel in der Hamburger Innenstadt (Katrepel 10). Diese Stiftung finanziert auch das Archiv in Langenhorn.

Die privaten Wohnräume der Eheleute Schmidt sind in einem virtuellen Rundgang zu besichtigen. Daraus ein öffentliches zugängliches Museum zu machen ( s. Bildzeitung ) wäre nicht durchführbar – die Räumlichkeiten könnten einem zu erwartenden Ansturm von touristischen Besuchern nicht standhalten.

Zurzeit ist man dabei, die Archivalien zu sichern und später zu digitalisieren, alle Gegenstände im Haus - auch die zahlreichen Gemälde und Kunstwerke - zu inventarisieren und den Bestand für die Zukunft zu bewahren. Helmut Schmidt liebte es offenbar, seine Aktenbestände zusammen zu „tackern“. Nun müssen die Archivare die Bestände von Metallenem befreien. Man rechnet damit, dass diese Arbeiten in 5 Jahren abgeschlossen sein könnten.

Das Wohnhaus wird allenfalls für kleine Gruppen von Wissenschaftlern begehbar sein, das noch bestehende Schwimmbad wird möglicherweise zu einem Konferenzraum umgebaut, weil das Arbeitszimmer Schmidts für Tagungen zu klein ist. Größere Symposien müssten in der Innenstadt stattfinden, aber nicht in Langenhorn.

Hier, im Neubergerweg 80, hatte Helmut Schmidt während seiner Kanzlerschaft Präsidenten, Könige und Staatschefs zu Gast, die offenbar sehr angetan waren von dem Charme eines „normalen“ Reihenhauses, in das sie der Kanzler einlud. Und die überaus charmante Gastgeberin Loki sorgte meistens mit ihrer selbst zubereiteten „Roten Grütze“ für das Sahnehäubchen solcher Staatsbesuche.